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Geschichten Tod mit 16

Stheffi

Godojanische Thomate

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Hobbys: Thomas Godoj & Band, Forum, Lesen, Musik, Kino, Konzerte

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Montag, 13. Juni 2011, 21:58

Tod mit 16

Sie war gerade 16 geworden, als es geschah. Es passierte ohne Vorwarnung, einfach so. Nichts deutete vorher darauf hin. Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Sie konnte sich nicht gegen die drei kräftigen Männer wehren, die sie überfielen und vergewaltigten. Sie überfielen sie hinterrücks, zwei hielten sie fest, der Dritte hielt ihr den Mund zu, damit sie nicht schreien konnte. Sie zerrten sie in ein Gebüsch, rissen ihr die Kleider vom Leib, vergewaltigten sie mehrfach und schlugen ihr immer wieder ins Gesicht. Innerlich schrie sie die ganze Zeit um Hilfe, aber in Wirklichkeit kam kein Laut über ihre Lippen. Sie wehrte sich auch nicht, denn sie wusste, es hätte eh keinen Sinn gehabt.

Als es endlich zu Ende war, ließen sie sie einfach liegen, dreckig, geschunden und fast schon dem Tode nah. Mit Mühe und Not schaffte sie es, aufzustehen. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, wusste nicht, wie lange sie dort gelegen hatte. Sie griff nach ihren Klamotten, die überall verstreut lagen und zog sie unter großer Anstrengung an. Alles an ihr und in ihr schmerzte.

Doch sie fühlte, dass ihr Lebenswille noch da war und so schaffte sie es irgendwie, zum nächstgelegenen Krankenhaus zu kommen. Dort wurde sie sofort untersucht und ihre Wunden, zumindest die äußeren, wurden verarztet. Es wurden Proben genommen und sie wurde in ein Einzelzimmer verlegt, wo sie sofort einschlief.

Als sie viel später erwachte, war sie für einen Moment orientierungslos, aber als sie versuchte, sich zu bewegen und ihr Körper Signale des Schmerzes an ihr Gehirn zurück sandte, war die Erinnerung an das Geschehene wieder da. Sie fing an zu weinen und dachte an ihre Eltern, die noch gar nicht wussten, was passiert war, geschweige denn, wo sie überhaupt war. Sie klingelte nach einer Krankenschwester, bat sie, ihre Eltern anzurufen und ihnen zu sagen, dass sie lebte und dass sie sich keine Sorgen machen müssten. Ihre Eltern waren geschockt, als die Krankenschwester ihnen erzählte, was mit ihrer Tochter passiert war, dass sie ziemlich übel zugerichtet wurde und auch das mit der Vergewaltigung wurde ihnen schonungslos beigebracht.

Natürlich kamen die Eltern sofort ins Krankenhaus und brachen fast beim Angesicht ihrer geschundenen Tochter zusammen. Doch sie war diejenige, die versuchte, ihre Eltern zu beruhigen, indem sie sagte, dass es ihr gut gehe.

Wenig später tauchte die Polizei auf, nahm ihre Personalien auf und stellte ihr Fragen, die sie nach bestem Gewissen und Wissen beantwortete. Die Frage, ob sie ihre Angreifer beschreiben könne, verneinte sie und meinte nur, dass alles so schnell gegangen wäre. Äußerlich blieb sie sehr ruhig bei diesen Fragen, innerlich jedoch fühlte sie sich wie zerrissen und zum zweiten Mal vergewaltigt. Doch sie ließ sich nicht anmerken, wie schlecht es ihr in Wirklichkeit ging.

Ein paar Tage später wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen. Zu Hause angekommen, schloss sie sich in ihrem Zimmer ein und warf sich aufs Bett. Sie wollte einfach nur vergessen, nichts weiter. Ihre Eltern wussten nicht mit der Situation umzugehen, versuchten sie aufzumuntern, indem sie ihr schöne Geschenke machten.

Doch niemand kam auf die Idee, einfach mal mit ihr zu reden. Stattdessen hatte sie nur sich selbst zum Reden und so dachte sie Tag für Tag über das Geschehene nach, und machte sich Vorwürfe, dass ausgerechnet sie an diesem Tag diesen Weg gegangen war und dass eigentlich alles ihre Schuld gewesen ist. Immer und immer wieder sah sie im Geiste die drei Männer vor sich, die ihr das angetan hatten.

Mit der Zeit verheilten ihre äußerlichen Wunden, die inneren jedoch blieben. Auch die Gesichter der Männer verschwammen mit der Zeit. Doch an ihrer Situation änderte das nichts: sie blieb weiterhin in sich gekehrt, sprach kaum und grübelte nur still vor sich hin.

Es fiel ihr schwer, in den Alltag zurück zu finden. War sie vor dem Geschehen eine gute Schülerin gewesen, bekam sie jetzt vom Unterricht kaum noch etwas mit. Es gab für sie nur vor der Vergewaltigung und nach der Vergewaltigung. Immer wieder gab sie sich selber die Schuld an allem. Vergessen? Das konnte sie nicht, waren doch die Erinnerungen viel zu stark für sie. Sie fiel jeden Tag in ein schwarzes, tiefes Loch, aus dem es kein Entrinnen gab.

Auch die Polizei war ihr keine Hilfe, denn auch ein paar Wochen nach dem schrecklichen Erlebnis hatten die Beamten noch keine brauchbaren Spuren gefunden. Die Proben, die im Krankenhaus entnommen worden waren, brachten nichts. Sie musste sich damit abfinden, dass die drei Männer vermutlich niemals gefunden und auch niemals bestraft werden würden.

Es waren zwiespältige Gefühle, die in ihr tobten. Auf der einen Seite sah sie sich selbst als Opfer, was sie schließlich auch war, aber gleichzeitig fühlte sie sich als Schuldige, die das Ganze ausgelöst hat.

Letztendlich machte die Vergewaltigung aus ihr einen komplett anderen Menschen. Sie hatte nicht die Kraft, dagegen anzugehen. Irgendwann gab sie der Melancholie in sich, dem psychischen Stress und ihrer inneren Zerrissenheit nach und schnitt sich – fast neun Monate nach der Vergewaltigung – die Pulsadern auf. Es kam jede Hilfe zu spät.

Sie war 16 und hieß Sarah.

Verschwende deine Energie nicht an Dinge, die du sowieso nicht ändern oder gewinnen kannst!



2

Mittwoch, 15. Juni 2011, 21:05

So ich hab nun fast drei Anläufe gebraucht um die Geschichte überhaupt lesen zu können...weil es immer wieder Dinge gibt die einen triggern können und somit bestimmte Gefühle oder Reaktionen in einem auslösen können...klingt vielleicht bescheuert ist aber so...

Auch wenn ich das was in der Geschichte beschrieben wird nicht in der Form aber in anderer erlebt habe kann ich mich sehr gut in sie hineinversetzten und nachempfinden wie sich das Mädchen gefühlt haben muss.

Dieses Gefühl der inneren Zerissenheit und das sich immer selbst die Schuld für alles zu geben kenne ich nur zu gut. Und wenn man nicht die Kraft hat dagegen anzukämpfen, dann ist es zu spät!

Gut geschrieben Stheffi.

„Was auch immer du im Leben tust, wird unbedeutend bleiben,
aber es ist wichtig, dass du es tust, da es niemand sonst tun wird.“